CLAUS KOCH & THE BOPERATORS IM CAVE 61

Von Michaela Adick, 27.2.06 Heilbronner Stimme

Rapido? Claus Koch blickt zu seinem Conga-Spieler. Oder darf es muy rapido sein? Cesar Granados bestätigt mit einem Nicken, jawohl, darunter wird er es nicht machen, gleich wir hier im Jazzclub Cave 61 Heilbronn die Post abgehen. Und was dann passiert im gut besuchten Faschingskonzert im K3, ist ungefähr das Widersprüchlichste, weil zugleich Aufregendste wie Gediegenste was man in der letzten Zeit gehört hat. "Afro-Cuban Jazz Colors" nennen die sechs Musiker aus dem Großraum München also ihr Programm?

Einige Zuhörer, die auf den Schlüsselbegriff afro-kubanisch mit dem berühmten Pawlow'schen Reflex reagieren, werden sich an diesem Abend im famosen Konzert von Claus Koch & The Boperators möglicherweise schwarz geärgert haben. Da ist nichts mit tanzen, schwofen und lässiger Rumseligkeit. Weiterlesen, müßte man ihnen anempfehlen. Von musikalischer Farbenlehre ist da´die Sprache und von Bop. Wie in Bebop, Hardbop, Post-Bop. Wie in Gillespie, Parker, Blakey. Mit dem kleinen, aber effektiven Unterschied, dass die Boperators, Enddreißiger, die sich sich an der Musikhochschule Graz kennen gelernt haben, durchweg Eigenkompositionen spielen. Sie plündern bei den Altvorderen, zitieren ebenso geschickt wie charmant. Einiges meint man zu erkennen. Doch bevor man den Gedanken, der unweigerlich mit der Vermutung "Ist das nicht?" anfängt, ernsthaft zu Ende denkenkann, ist das Sextett, das es faustdick hinter den Ohren hat, bereits uneinholbar davon galoppiert.

Die Boperators, das sind neben dem Bandleader Claus Koch (Tenorsaxofon), Ralf Hesse an der Trompete, Claus Raible am Klavier, Andreas Kurz am Kontrabass, Michael Keul am Schlagzeug und eben Cesar Granados an der Perkussion. Granados ist der Mann für's Gemüt, für den afro-kubanischen Touch, und das war's denn auch. Die übrige Mannschaft geht straight zur Sache, tastet sich durch das boppige Koordinatensystem unter der besonderen Berücksichtigung der Genres der gefühligen Barmusik und karibischen Lässigkeit. Die Boperators entscheiden sich für ein sympathisches Sowohl-als auch:  und sind grandios.

Heilbronner Stimme 27.2.06