Moosburger Zeitung 16.10.04

 HARDBOP REVIVAL MIT DEN BOPERATORS

Jazz-Reminiszenzen im Stil der 60-er bringen den Hirschwirt zum Grooven

Moosburg. Sie selbst haben keinen der legendären Bebop- und Hardbop- Messengers jemals live erlebt, weil Claus Koch und seine Mitspieler gerade geboren wurden, als die Größen dieser Ära spielten. Inzwischen reisen sie selbst als "Boperators" durch die Lande und wecken nostalgische Erinnerungen an eine Zeit, die sie mit umso größerer Hingabe zu neuem Leben erwecken.

Das Programm besteht ausschließlich aus Eigenkompositionen von Bandleader Claus Koch, der ein spezielles Faible für die klassische Hardbop-Besetzung hat. Das führt zwar dazu, dass man ständig überlegen muss, ob und woher man dieses oder jenes Stück kennt, doch sobald endgültig feststeht, dass alle Stücke an diesem Abend neu sind und nur "im alten Stil" arrangiert wurden, stellt sich eine wohlige Atmosphäre des Vertrautseins ein, in der man guten alten Zeiten nachhängen kann.

Claus Koch (Tenorsaxophon) hat vier versierte Musiker um sich versammelt, die seine Leidenschaft für Blue Notes, chromatische Abgänge und tanzbare Grooves hörbar teilen. Besonders hervorzuheben ist Claus Raible, der am Klavier so etwas wie Herz und Seele der Band in einem darstellt. Egal, ob er seinen Mitspielern beim Improvisieren als Begleiter den Teppich ausbreitet oder ob er selbst seine irrwitzige Fingerfertigkeit von der Leine lässt, ihm gehört die ungeteilte Bewunderung des Publikums.

Feine Technik und ein ausgeprägtes Stilempfinden kennzeichnen das Trompetenspiel von Ralf Hesse. Ein warmer, kraftvoller Ton und eine große melodische Erfindungsgabe zeichnen das Saxophonspiel von Claus Koch aus. Seine Spielweise, vor allem aber sein Kompositionsstil, sind fest im klassischen amerikanischen Jazz der 40-er und 50-er Jahre verwurzelt.

Für den stets swingenden, pulsierenden Groove des Quintetts zeichnen Schlagzeuger Michael Keul und Bassist Wolfgang Kriener verantwortlich. Letzterer erntete Sonderlorbeeren für seine Angewohnheit, beim Basssolo laut vernehmbar mitzusummen. Aber auch sein zuverlässig "walkender" Bass trug sehr zum mitreißenden Groove der Band bei. Zwar wünschte man seiner Snare-Trommel hin und wieder leisere Nuancen, wenn sie die anderen Instrumente gar zu "krachert" übertönte, doch war sein Push auf der anderen Seite Garant für das rhythmische Vergnügen, das die "Boperators" verbreiteten.

Fein und zurückhaltend dann die Besenarbeit des Schlagzeugers bei Balladen, in denen Claus Koch die ganze Gefühlstiefe und Zerrissenheit der Hardbop-Ära festgehalten hat, die er auch solistisch in seinem Saxophonspiel zum Ausdruck brachte. Insgesamt war der Abend geprägt von einer Atmosphäre des unerschütterlichen Glaubens an die Stimme des Jazz, pur und individualistisch, expressiv und nonkonformistisch.-rk-